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Stress-Management für Bariatriepatienten während COVID-19

Für Bariatriepatienten sind die derzeitigen COVID-19-bedingten Einschränkungen und der damit verbundene psychische Stress eine besondere Herausforderung. Erhöhter Stress geht einher mit der Verschlechterung einer bestehenden Hyperglykämie, Hypertonie oder Dyslipidämie und kann damit zu Komplikationen führen.

Chronischer Stress erhöht die Produktion von Cortisol, was zu einer Vermehrung des abdominellen Fettgewebes führt. Auch verschlechtert chronischer Stress das Immunsystem, die Schlafgewohnheiten und erhöht den Blutzucker, den Blutdruck und letztlich auch das Körpergewicht.

Ein gutes Coping- und Stress-Management ist daher gerade für Bariatriepatienten von großer Bedeutung, um eine erfolgreiche Gewichtsreduktion nicht zu gefährden. Dazu gehört auch, trotz Ausgangsbeschränkungen das Ess- und Bewegungsverhalten der Situation anzupassen. Schnell schleichen sich alte Verhaltensmuster ein und Patienten greifen wieder öfter auf ungünstige Nahrungsmittel zurück und bleiben inaktiv.

Coping-Strategien

Emotionen wahrnehmen und zulassen

Patienten nehmen oftmals nicht wahr, in welchem Ausmaß psychischer Stress das eigene Verhalten, ihr Leben und ihre Gesundheit beeinflusst. Der vorübergehende Verlust von Lebensstil, strukturierender Routinen und entsprechende Emotionen wie Traurigkeit oder Wut werden verdrängt oder zumindest vermieden. Patienten sollten sich mit diesen normalen Reaktionen auf eine außergewöhnliche Situation auseinander setzen und lernen, wie diese Emotionen ihr Verhalten bestimmen. Dabei sollten sie von konsultierten Ärzten durch Gesprächsangebote unterstützt werden. Erst wenn die als negativ bewerteten Emotionen bewusst wahrgenommen werden und die negativen Folgen auf das eigene Verhalten bekannt sind, ist es möglich, eine Verhaltensveränderung herbeizuführen.

Ein Schritt nach dem anderen

Gerade Bariatriepatienten ist das Gefühl der Hoffnungslosigkeit sehr vertraut. Patienten sollten daher ermutigt werden, anstatt auf die unvorhersehbare und scheinbar nie enden wollende Situation, sich auf tägliche und damit überschaubare Maßnahmen günstigen Ess- und Bewegungsverhaltens zu fokussieren. Dabei sollte der Patient immer von der Frage geleitet werden, welches Verhalten für ihn realistisch und dauerhaft umsetzbar ist.

Vorsicht vor ‚comfort food‘

Patienten mit erhöhtem psychischen Stress versorgen sich größtenteils mit ‚comfort food‘, das eine hohe Energiedichte und starke industrielle Verarbeitung aufweist. Die Versuchung, auf diese Lebensmittel zurückzugreifen, ist natürlich sehr hoch, wenn diese bevorratet sind. Patienten sollten sich daher einen Vorrat mit gesunden Lebensmitteln für eine ausgewogene Ernährung anlegen und ‚comfort food‘ meiden. Patienten sollten grundsätzlich ihre Einkäufe tätigen, wenn sie nicht hungrig sind und sich in keinem Zustand außergewöhnlichen Stresses befinden. Hilfreich ist auch, eine Einkaufsliste anzulegen und Freunde oder Familie zu bitten, diese daraufhin zu prüfen, ob sich günstige Nahrungsmittel darauf befinden.

Aktiv bleiben

Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen ist es notwendig, neue Aktivitätsmuster auszuprobieren und zu implementieren. Aufgrund digitaler Angebote finden sich vielfältige Möglichkeiten. Auf einschlägigen Streaming- und Internetportalen finden sich unzählige Videos für die jeweilig bevorzugte Sportart. Fahrradfahren und Laufen sind individuell momentan wieder möglich. Aktivität befördert zudem die Stress- und Angstreduktion.

An günstigem Verhalten festhalten

Patienten verfallen momentan in alte, bekannte und daher vertraute Verhaltensmuster. Günstiges Verhalten und Selbstfürsorge und die erreichten Erfolge werden zu leichtfertig aufgegeben. Patienten sollten diesbezüglich über die negativen Konsequenzen nachdenken, die ein Rückfall in altes, ungünstiges Verhalten nach COVID-19 bewirken kann. Patienten sollte bewusst sein, dass ein Rückfall in ungünstiges Verhalten eine Gewichtszunahme zur Folge haben kann.

Aktives Stressmanagement

Patienten sollten nach individuellen Möglichkeiten suchen, psychischen Stress zu reduzieren. Sport, mit Freunden telefonieren, Meditieren, Entspannungsverfahren anwenden, Lesen, Zeichnen, Basteln, Stricken, Heimwerken, Gartenarbeit, Puzzle legen, Spazierengehen… es gibt viele Möglichkeiten. Die heute zu häufig genutzten bildschirmbasierten Tätigkeiten sind im Übrigen für eine Stressreduktion kontraproduktiv. Bei zu hohen bildschirmbasierten Mediennutzungszeiten erhöht sich Stress, ebenso werden Ängste verstärkt und beides hat einen negativen Einfluss auf die Gesundheit.