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Depressionen als Faktor für einen Gewichtsanstieg nach bariatrischer Operation

Welche Faktoren zu einem erneuten Gewichtsanstieg nach einer suffizienten Gewichtsreduktion bei bariatrischer Chirurgie führen, ein sog. Rebound, wird kontrovers diskutiert. Der Rebound erfolgt häufig zwischen dem 18. und 24. postoperativen Monat.[1] Verschiedene Faktoren können zu einem Wiederanstieg des Gewichts führen: metabolische und endokrine Faktoren, Versagen des Operationsverfahrens, ungünstiges Ernährungsverhalten, psychische Probleme oder Erkrankungen oder ungünstiges Bewegungsverhalten.

Bei Patienten, die bereits vor der Operation an Depressionen erkrankt waren, besteht ein erhöhtes Risiko für ein postoperatives Rezidiv [2]. Eine aktuelle portugiesische Studie [3] untersucht den Einfluss von Depressionen auf die Entwicklung des Gewichts nach einer bariatrischen Operation. 27,2 Prozent der Probanden gaben an, präoperativ bereits an einer Depression erkrankt zu sein. Diese Patienten hatten nach drei Jahren durchschnittlich 4,1 kg weniger an Gewicht verloren als Patienten ohne die Diagnose einer Depression in der präoperativen Phase. Obgleich Geschlecht und Alter des Patienten und das gewählte Operationsverfahren gewisse Gewichtsschwankungen wahrscheinlich machen, wurden diese Effekte in der Studie berücksichtigt.

Die Forscher erklären sich den Unterschied in der Gewichtsreduktion mit dem Zusammenhang zwischen Depression und Binge Eating, der oft vermutet wird [4] sowie dem des Motivationsdefizits, welches mit einer Depression einher geht [5].

Es wird eingeräumt, dass Patienten nicht erfasst worden sind, bei denen postoperativ eine Depression diagnostiziert und medikamentös behandelt worden ist. Doch gerade Psychopharmaka haben großen Einfluss auf einen Rebound. Der beobachtete Effekt könnte demnach auch im Zusammenhang mit der Medikation stehen, wobei noch immer der Einfluss einer Depression auf Gewichtsschwankungen ursächlich wäre.

Welche Faktoren für den einzelnen Patienten zu einer erneuten Gewichtszunahme führen, sollte während der Nachsorge genauestens eruiert werden, um frühzeitig ungünstigem Verhalten oder bestehenden Erkrankungen zu begegnen. Um das Ergebnis der Operation und des Gewichtsreduktionsprozesses zu optimieren, ist eine regelmäßige Nachsorge durch ein multidisziplinäres Team von Vorteil, denn die bariatrische Chirurgie ist nur der Beginn eines Prozesses, der den Patienten ein Leben lang begleitet und insbesondere Patienten mit psychischen Vorerkrankungen herausfordert. Patienten mit einer psychischen Vorerkrankung sollten daher postoperativ intensiver betreut werden.

 

Quellen:

[1] Vgl. dazu Bastos et al. (2013): Determinants of weight regain after bariatric surgery. In: Arquivos Brasileiros de Cirugia Digestiva 26 (Supplement 1), S. 26–32 sowie Masood et al. (2019):  Dietary and Lifestyle Factors Serve as Predictors of Successful Weight Loss Maintenance Postbariatric Surgery. In: Journal of Obesity (doi: 10.1155/2019/7295978).

[2] Vgl. u. a. Burcusa et al. (2007): Risk for recurrence in depression. In: Clinical Psychology Review (doi: 10.1016/j.cpr.2007.02.005).

[3] Vgl. m.w.N. Pedro et al. (2020): Impact of Depression on Weight Variation after Bariatric Surgery: A Three-Year Observational Study. In: Obesity Facts (doi: 10.1159/000506404).

[4] Vgl. dazu u. a. Rosenbaum et al. (2015): The relation of anxiety, depression, and stress to binge eating behavior. In: Journal of Health Psychology (doi: 10.1177/1359105315580212).

[5] Vgl. dazu u. a. Grahek et al. (2019): Motivation and cognitive control in depression. In: Neuroscience & Biobehavioral Rewies (doi: 10.1016/j.neubiorev.2019.04.011).