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Alkoholkonsum nach bariatrischen Operationen

Die meisten Patienten bemerken alkoholbedingte Reaktionen bereits, nachdem sie nur wenige kleine Schlucke Alkohol zu sich genommen haben. In Studien geben ca. 90 Prozent der befragten bypass-operierten Patienten an, postoperativ viel schneller auf Alkohol zu reagieren. Ca. 25 Prozent der befragten Patienten beklagten nach ein oder zwei Gläsern eines alkoholischen Getränkes für bis zu zwei Stunden den Verlust des Gleichgewichtssinns. Dies ist u. a. ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich der Alkohol-Metabolismus durch insbesondere restriktiv-malabsorptive Operationsverfahren verändert.

Der Alkohol-Metabolismus beginnt bereits im Magen. Die Konzentration im Blutalkoholspiegel – und damit das Risiko einer Intoxikation – wird durch die Dauer reguliert, die der Alkohol im Magen verbleibt. Bei bariatrischen (Bypass-)Operationen gelangt der Alkohol sofort in den Darm. Dort wird er sehr schnell absorbiert. Erschwerend kommt hinzu, dass Patienten postoperativ angewiesen sind, nicht gleichzeitig zu Essen und zu Trinken. Dadurch wird der Alkohol noch schneller absorbiert, denn die gleichzeitige Nahrungsaufnahme verlangsamt eine Absorption. Eine Studie konnte zeigen, dass Patienten, die eine (Bypass-)Operation erhalten hatten, eine um 50 Prozent erhöhte Blutalkoholkonzentration gegenüber der nicht-operierten Kontrollgruppe aufwiesen und diese bereits nach 10 Minuten (anstatt nach 30 Minuten bei der Kontrollgruppe) erreicht wurde.

Durch den rapiden und massiven Gewichtsverlust nach bariatrischen Operationen und der damit einhergehenden Veränderung des gesamten Metabolismus, kann Alkoholkonsum Hypoglykämien auslösen. Alkohol-Intoxikation und Hypoglykämien ähneln sich in der Symptomatik: Effekte auf neuromuskuläre und kognitive Funktionen, Verlust des Gleichgewichtssinns, undeutliches Sprechen oder Lallen, Gesichtsfeldeinschränkungen und Verwirrtheitszustände.

Alkoholkonsum kann nach bariatrischen Operationen irreversible körperliche Schädigungen herbeiführen (wie z. B. Hirn- und Gefäßschädigungen). Alkohol hemmt die Absorption von B-Vitaminen und stört die Vitamin A- und Folsäure-Aufnahme. Diese Effekte verstärken die operationsbedingte Malabsorption von wichtigen Vitaminen und anderen Nährstoffen. Dies kann zu negativen Effekten im Laborstatus führen und schließlich zu einem erhöhten Risiko, an Neuropathien, dem irreversiblen Verlust unterschiedlicher kognitiver Funktionen, an Störungen des Metabolismus, Immunschwäche und Erschöpfungszuständen zu erkranken.

Insbesondere bariatrisch Operierte sind gefährdet für eine Suchtverlagerung. Eine ehemalige Essstörung (hohe Prävalenz bei adipösen Patienten) wird mit einem Substanzmissbrauch, oftmals Alkohol, kompensiert.

Alkoholkonsum reduziert zudem den möglichen postoperativen Gewichtsverlust, da Alkohol viele Kalorien hat.

Patienten, die eine bariatrische Operation erhalten haben, sollten daher Nachstehendes beachten:

  • während der Phasen der schnellen Gewichtsreduktion KEINEN ALKOHOL trinken
  • nur kleine Mengen Alkohol können Intoxikationen und Hypoglykämien mit ernsthaften Folgen auslösen
  • wenn Alkohol konsumiert wird, sollten Patienten nicht Autofahren oder schwere Maschinen bedienen
  • nicht auf nüchternen Magen Alkohol trinken
  • regelmäßige postbariatrische Supplementierung

 

Quelle: Vgl. m.w.N. Buffington, Cynthia (2006): Alcohol and the Gastric Bypass Patient. In: Bariatric Times Online Editor, 22. Oktober 2006 (abgerufen am 5. März 2020).